Die Kosten einer Implantatversorgung lassen sich nicht anhand eines einzelnen Implantatpreises beurteilen. Eine vollständige Versorgung besteht aus mehreren Komponenten und Behandlungsschritten, die an die individuelle Zahnsituation angepasst werden. Damit unterschiedliche Angebote vergleichbar werden, sollte genau geprüft werden, welche Leistungen und Materialien tatsächlich enthalten sind.
1. Marke und System des Implantats
Implantate verschiedener Hersteller unterscheiden sich unter anderem hinsichtlich Material, Oberfläche, Produktentwicklung, wissenschaftlicher Dokumentation und Verfügbarkeit von Ersatzteilen. Etablierte Implantatsysteme können mit höheren Kosten verbunden sein. Dafür ist häufig gewährleistet, dass passende Aufbauten und andere Komponenten auch Jahre später erhältlich sind.
Im Angebot sollten Hersteller, Implantattyp und Anzahl der benötigten Implantate eindeutig angegeben sein.
2. Art des Implantataufbaus
Das Implantat selbst ist nur die künstliche Zahnwurzel. Darauf wird ein Verbindungselement befestigt, der sogenannte Implantataufbau oder das Abutment, das den späteren Zahnersatz trägt.
Die Kosten werden unter anderem beeinflusst durch:
- das Material des Aufbaus, beispielsweise Titan oder Zirkonoxid,
- einen vorgefertigten oder individuell angefertigten Aufbau,
- die Art der Verbindung zwischen Implantat und Aufbau sowie
- die Befestigung des Zahnersatzes durch Verschraubung oder Zementierung.
Auch die Krone, Brücke oder Prothese über dem Implantat bildet einen eigenen Kostenbestandteil.
3. Vorhandenes Knochenangebot
Für einen sicheren Halt muss das Implantat von ausreichend Kieferknochen umgeben sein. Dabei werden vor allem Knochenhöhe, Knochenbreite, Form und Qualität des Knochens beurteilt.
Ist der Kieferknochen sehr schmal, niedrig oder zurückgebildet, können zusätzliche diagnostische oder chirurgische Maßnahmen notwendig werden. Die Beurteilung erfolgt durch eine klinische Untersuchung und, falls medizinisch erforderlich, durch eine dreidimensionale Aufnahme.
4. Notwendigkeit eines Knochenaufbaus
Reicht das vorhandene Knochenangebot nicht aus, kann vor oder während der Implantation ein Knochenaufbau erforderlich sein. Dadurch erhöhen sich der Materialbedarf, der operative Aufwand und gegebenenfalls die Anzahl der Behandlungstermine.
Ob ein Knochenaufbau notwendig ist, lässt sich erst nach sorgfältiger Untersuchung zuverlässig feststellen. Ein Angebot ohne Berücksichtigung der individuellen Knochensituation kann daher nur eingeschränkt aussagekräftig sein.
5. Art und Umfang des Knochenaufbaus
Die Kosten hängen wesentlich davon ab, welches Verfahren benötigt wird. Bei kleineren Defekten kann ein lokaler Knochenaufbau mit Knochenersatzmaterial und Membran ausreichen. Bei einem größeren Knochendefizit kann ein umfangreicheres Verfahren notwendig sein.
Im seitlichen Oberkiefer kommt bei zu geringer Knochenhöhe unter Umständen ein Sinuslift infrage. Dabei wird der Bereich unterhalb der Kieferhöhle für die Implantation vorbereitet.
PRF wird aus dem eigenen Blut gewonnen und kann ergänzend zur Unterstützung der Wundheilung eingesetzt werden. Es ist jedoch nicht in jedem Fall erforderlich und ersetzt nicht automatisch einen notwendigen Knochenaufbau.
Weitere mögliche Kostenbestandteile
Für einen vollständigen Vergleich sollten auch folgende Positionen berücksichtigt werden:
- Erstuntersuchung und Diagnostik,
- Entfernung nicht erhaltungswürdiger Zähne,
- Anzahl der Implantate,
- provisorischer Zahnersatz,
- endgültige Kronen, Brücken oder Prothesen,
- Sedierung oder Dämmerschlaf,
- zahntechnische Leistungen sowie
- Kontrolltermine und Nachsorge.
Wie lassen sich Angebote richtig vergleichen?
Ein transparenter Heil- und Kostenplan sollte Implantat, Aufbau, Zahnersatz, Diagnostik und mögliche Zusatzmaßnahmen getrennt ausweisen. Ebenso sollte erkennbar sein, welche Materialien verwendet werden und welche Leistungen nicht im Angebot enthalten sind.
Entscheidend ist somit nicht der niedrigste Einzelpreis, sondern der Gesamtumfang der geplanten Implantatversorgung. Ein seriöses Angebot basiert auf einer persönlichen Untersuchung und macht deutlich, welche Kosten feststehen und welche erst nach der endgültigen Diagnostik beurteilt werden können.