Bei einem weitgehend oder vollständig zahnlosen Kiefer stehen unterschiedliche Formen des Zahnersatzes zur Verfügung. Sie unterscheiden sich vor allem hinsichtlich Halt, Kaukomfort, Pflegeaufwand, Behandlungsumfang und Wartungsbedarf. Welche Lösung am besten geeignet ist, hängt vom Knochenangebot, den vorhandenen Zähnen, der Mundgesundheit und den persönlichen Erwartungen ab.
Festsitzender Zahnersatz
Festsitzende Versorgungen können von der Patientin oder dem Patienten nicht selbst herausgenommen werden. Dazu gehören:
- implantatgetragene Einzelkronen,
- zementierte oder verschraubte Implantatbrücken sowie
- vollständige Versorgungen auf vier oder sechs Implantaten, häufig als All-on-4 beziehungsweise All-on-6 bezeichnet.
Festsitzender implantatgetragener Zahnersatz kommt dem Gefühl eigener Zähne meist besonders nahe. Er bietet einen guten Halt und ermöglicht in vielen Fällen einen hohen Kaukomfort. Ob eine solche Versorgung möglich ist, muss anhand des Knochens, der Bissverhältnisse und des allgemeinen Gesundheitszustands beurteilt werden.
Die Reinigung erfordert besondere Sorgfalt. Neben der Zahnbürste können Interdentalbürsten, spezielle Zahnseide oder andere vom Behandlungsteam empfohlene Hilfsmittel notwendig sein. Da der Zahnersatz nicht herausgenommen werden kann, müssen insbesondere die Bereiche unter einer Brücke und rund um die Implantate gründlich gereinigt werden.
Herausnehmbare Vollprothese
Eine konventionelle Vollprothese ersetzt sämtliche Zähne eines Kiefers und liegt auf der Schleimhaut beziehungsweise dem Kieferkamm auf. Im Oberkiefer bedeckt sie normalerweise den Gaumen ganz oder teilweise. Eine Unterkieferprothese besitzt keine Gaumenplatte und kann aufgrund der anatomischen Verhältnisse weniger stabil sitzen.
Der Halt entsteht durch Passform, Saugwirkung, Muskulatur und gegebenenfalls Haftmittel. Der Kaukomfort ist häufig geringer als bei implantatgetragenen Lösungen. Besonders im Unterkiefer können Bewegungen beim Sprechen oder Essen auftreten.
Ein Vorteil ist die vergleichsweise einfache Reinigung: Die Prothese lässt sich herausnehmen und außerhalb des Mundes säubern. Auch die Schleimhaut und gegebenenfalls vorhandene Zähne müssen täglich gepflegt werden. Da sich der Kieferknochen im Laufe der Zeit verändern kann, können Unterfütterungen, Anpassungen oder eine Neuanfertigung erforderlich werden.
Verankerter beziehungsweise kombinierter Zahnersatz
Verankerte Versorgungen sind in der Regel herausnehmbar, erhalten aber zusätzlichen Halt durch vorhandene Zähne oder Implantate. Dazu gehören:
- Kombinationszahnersatz,
- teleskopierender Zahnersatz,
- implantatgetragene Stegprothesen und
- implantatgetragene Locator-Prothesen.
Bei einer Teleskoparbeit greifen Innen- und Außenkronen präzise ineinander. Eine Stegprothese wird auf einem Verbindungselement zwischen mehreren Implantaten befestigt. Locator-Prothesen rasten über spezielle Halteelemente auf den Implantaten ein.
Diese Lösungen bieten meist mehr Stabilität und Kaukomfort als eine konventionelle Vollprothese. Gleichzeitig können sie zur Reinigung herausgenommen werden. Dadurch lassen sich sowohl die Prothese als auch Zähne, Implantate und Schleimhaut gut erreichen.
Die Halteelemente unterliegen jedoch einer natürlichen Abnutzung. Locator-Einsätze, Stege oder Teleskopflächen müssen deshalb regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gewartet oder erneuert werden.
Welche Versorgung ist langfristig haltbarer?
Eine pauschale Rangfolge ist nicht möglich. Die Haltbarkeit hängt unter anderem von Material, Konstruktion, Bissbelastung, Mundhygiene, Rauchen und regelmäßiger Nachsorge ab. Auch festsitzender Zahnersatz benötigt professionelle Kontrollen, während herausnehmbare Lösungen gelegentlich angepasst oder Verschleißteile ausgetauscht werden müssen.
Die beste Versorgung ist daher jene, die medizinisch geeignet ist, den gewünschten Kaukomfort ermöglicht und vom Patienten langfristig zuverlässig gepflegt werden kann.